Reiseberichte
Islandtour vom 26.7. bis 10. 8. 2003
von den Teilnehmern der Gruppe
Tag 1 Sonntag, 27. Juli 2003 Andreas
Der Tag beginnt mit der Ankunft im Hotel in Reykjavik während der Abend bzw. Morgendämmerung. Die meisten ziehen sich in ihre Zimmer zurück. Die vier Hartgesottetsten wollen aber doch noch das lebhafte Wikinger-Samstagsnachtleben von Reykjavik testen. Immer noch in der Sommerkluft ziehen wir fröstelnd die Hauptstrasse hinunter auf der Suche nach einem kühlen Bier. Eigentlich wäre eine heisse Schoggi eher angebracht. Doch zur Einstimmung auf die kommenden Tage ist ein Viking Bier doch das Richtige.
Beim Frühstück - oh Wunder - es regnet. Das ist eine perfekte Abwechslung zur langen Hitzeperiode zuhause. Wir schrauben die Bikes zusammen und machen uns auf zum Freilichtmuseum. Die Strecke durch die Grossstadt ist doch technisch äusserst anspruchsvoll, was man auch leicht an den Defekten auf der 5 km langen, mit Hindernissen übersäten Strecke erkennen kann: Der Ersatzbike-Joker ist damit also schon vergeben.
Nach 2 Stunden Volklore fahren wir gemütlich am Gorbi-Reagan Treff vorbei zurück ins Hotel, wo wir das Bike mit der Stadtwanderausrüstung tauschen. Im Café de Paris dann die ersten Begegnungen mit der isländischen Küche. Ich versuche die Crêpes mit Pastafüllung. Nun noch mehr Kultur: die äusserst imposante und eindrückliche Kirche Hallgrimskirkja ist wirklich sehenswert und bietet von oben auch einen schönen Blick auf die Stadt. Über das Orgelspiel kann man sich streiten ..
Gegen Abend bereits etwas für die Geologie-Fans: Villi Knudsen präsentiert uns seine Volcano Show. Villi ist ein Vulkanausbruchs-Filmemacher. Die Dokumentation der Ausbrüche auf Island ist wirklich äusserst beeindruckend! Am faszinierendsten sind die Aufnahmen der spektakulären Flutwellen, welche beim Ausbruch unter dem Vatnajökull Gletscher entstanden. Ich habe noch nie eine solche Wassermasse gesehen. Da können die Niagarafälle oder Iguazu einpacken!
Beim Verlassen der Show machen wir das erste Mal Bekanntschaft mit der isländischen Sonne und spazieren zum Café Opera Restaurant, wo wir den ersten kulinarischen Höhepunkt unserer Reise erleben dürfen.
Danach sind wir doch ziemlich erschöpft vom ersten Tag und da die 70-jährige, weisshaarige DJ nicht aktiv ist an diesem Sonntagabend, gehen wir bald schlafen, um uns seriös auf den richtigen Start der Bike-Trophy durch Island vorzubereiten.
Tag 2 Montag, 28. Juli 2003 Dominique
Nach einem reichlichen Morgenessen im Hotel Klopp wurden unsere Bikes in den Busanhänger verstaut. Die allseits dünnen Portemonnaies forderten auf der Fahrt zum Ausgangspunkt noch einen Abstecher zu einer Bank, um wieder zahlungsfähig zu sein. Später nochmals ein Stop, wobei sich alle fragten, hat unser Bus kein Benzin mehr? Nein, das war nicht der Grund für den Halt bei der Tankstelle. Die Frau unseres Busfahrers, Sandra, schloss sich uns an mit Kleinbus, Wohnanhänger und Ihren Kindern. Etwa 20 Kilometer ausserhalb von Reykjavik wurden die Bikes ausgeladen und los ging es durch eine hügelige Landschaft. Bei einem einladenden Rastplatz stiegen wir vom Bike und genossen die Superaussicht auf den Thingvallatn, den grössten Binnensee auf Island und wir konnten uns schon jetzt darauf freuen, an dem dunkelblauen See übernachten zu dürfen.
Nach rasanter Abfahrt gab es nochmals einen Halt im Besucherzentrum von Thingvellir - der ersten demokratischen Allmend in der europäischen Geschichte. In der Allmännerschlucht versammelten sich die Wikingerhäuptlinge, hielten Gericht ab und berieten sich.
Wir informierten uns mittels multimedialer Präsentation und einem fantastischen Ausblick auf eine liebliche Landschaft. Von hier aus mussten die Bikes durch den Canyon von 6 m Breite und 10 m Tiefe gestossen werden.
Bei der Ankunft auf dem Zeltplatz vermissten wir unseren Bus mit dem Material für den Aufbau der Zelte. Zum guten Glück gibt es in solchen Situationen Handys. So konnte John zu unserem Platz gewiesen werden. Es stellte sich heraus, dass es zwei Zeltplätze gibt.
Das benötigte Material kam an den gewünschten Ort. Das Gruppenzelt war auf Anhieb perfekt aufgestellt. Nach kurzer Instruktion von Stefan über den Aufbau unserer persönlichen Zelte, machten wir uns ans Werk und im Nu waren alle Pflöcke korrekt eingehauen. Kaum war diese Arbeit erledigt, begann es zu regnen. Allerdings hinderte dieses nicht, uns im Gruppenzelt zu versammeln, um das wohlverdiente Mittagessen einzunehmen. Es war eine gemütliche Runde bei Sandwich und vielen anderem mehr.
Schon nach kurzer Zeit verzog sich der Regen und die Sonne verwöhnte uns am freien Nachmittag. Einige unternahmen einen Spaziergang, andere wieder erkundeten mittels Bike einen erweiterten Umkreis. Nach Rückkehr war noch Zeit für ein Würfelspiel.
Unterdessen hatten Stefan und Philipp ein geheimnisvolles Nachtessen zubereitet. Jetzt hiess es Trara-Trara, denn die Köche mit Kochmütze (*****) haben zum Nachtessen aufgerufen und der Auftritt war fulminant. Die Tri-Pasti mit einer vorzüglichen Lachs-Sauce wurde rubis und stubis aufgegessen. Zum Dessert gab es Skyr in zwei Geschmacksrichtungen.
Der Abend haben wir gemütlich ausklingen lassen. Aber da war noch eine Grübel-Aufgabe, die uns Edith und Andreas stellten. Willi isst gerne Schoggi, aber er hat Schokolade nicht gerne? Warum?
Tag 3 Dienstag, 29. Juli 2003 Edith
Thingevellir nach Geysir
Nach der ersten Nacht im Zelt schlägt uns am Morgen ein kalter Wind entgegen. Unsere Guides präsentieren ein reichhaltiges Frühstücksbuffet wir haben zwar keinen Toaster wie im Hotel in Reykjavik, dafür Skyr in allen Aromen!!! welcher uns für den Tag stärkt. Nach dem Frühstück brechen wir unsere Zelte ab und pünktlich um 9 Uhr sind alle abfahrbereit, das heisst alle ausser unserem Driver Jon, dessen Wecker seit einer Ewigkeit über die Stille des Zeltplat-zes läutet.
Auf einer Schotterstrasse fahren wir immer leicht bergwärts, oben auf dem Hügel angekom-men bläst uns der Wind so ungemütlich kalt um die Ohren, dass wir gleich wieder auf der anderen Seite runter fahren. Eine Tafel warnt uns vor 14% Gefälle auf der Naturstrasse, die meisten von uns geniessen diese Abfahrt, einige haben sogar trotz Naturstrasse über 70 km/h auf dem Tacho. Doch aufgepasst, auf einmal zwingen uns hinter einer Kurve ein Lastwagen und Strassenbaumaschinen zum abbremsen. Nachher gehts dafür auf geteerter Strasse weiter hinunter. Auf der Ebene flitzen vorne einige im Tour-de-France Tempo davon, andere machen im hinteren Teil des Feldes ein Rollrennen (wer kann am längsten rollen, ohne zu treten).
Wir begegnen einer Herde Islandpferden auf Ausritt. Zuvorderst und zuhinderst je eine Reiter, dazwischen tölten rund 30 Isländer. Überall sehen wir wieder zwei drei Pferde, braune, weisse, schwarze und blonde, zum Teil haben sie Mähnen als seien sie frisch vom Coiffeur gekommen.
Nach 55 km kommen wir in Geysir an und suchen uns auf dem Zeltplatz geeignete Plätze. Im Vergleich zum Vortag ist dieser Zeltplatz wie eine Grossstadt. Und da hat es noch eine Gruppe identischer Zelte, welche mit Millimeter Genauigkeit in geometrischen Reihen aufgestellt wurden. Da wir uns nicht an ein Schachbrettmuster halten wie unser Nachbarn, stehen unsere Schlafzelte sowie das Gruppenzelt in wenigen Minuten. Und schon zieht uns ein angenehmer Duft zum Gruppenzelt. Unser Koch Phil verkauft uns die gesprengten Würstli als Isländische Spezialität. Wir sind alle der Überzeugung, dass dem ganz sicher so ist! Denn ansonsten hätten die Knackerli gar keinen Platz in unseren Suppentellern.
Den Nachmittag gestalten wir individuell.
Zum ersten Mal in Island kommen wir in den Genuss der Hot-Pot. Genuss ist vielleicht etwas übertrieben, da nebst der angenehm warm bis heissen Temperatur im Wasser auch noch fremde Partikel darin schwimmen. Im grösseren Schwimmbecken ist das Wasser auch nicht viel klarer, und für unsere Verhältnisse zu warm zum schwimmen (wir werden uns bis Ende Ferien an das warme Wasser gewöhnen). Zum Glück haben wir alle einen riesigen Gutschein (etwas halb so gross wie eine Briefmarke) für 1x duschen erhalten.
Vom Zeltplatz aus haben wir die Fontäne schon gesehen, nun wollen wir uns das Naturschau-spiel von nahe anschauen. Warnschilder, welche auf die heissen Temperaturen 80°, 100° hin-weisen, lassen uns zuerst ungläubig den Kopfschütteln. Beim Strokkur auf Deutsch Butterfass schiesst alle paar Minuten ein bis zu 50 Meter hoher Geysir in die Luft. Die Kameras werden hervorgeholt, doch ausgerechnet dann, wenn der richtige Ausschnitt herbeigezoomt wurde, lässt der Geysir länger als normal auf sich warten und da sind noch so viele Touristen, welche das Bild stören... Ausser den speienden Springbrunnen hat es auch ruhige Gewässer, welche durch ihre Farben imponieren. Auf einer Postkarte könnte das Türkis nicht kitschiger sein.
Im Ortsmuseum sind die geologischen Phänomene mit Bildern und wissenschaftlichen Erklä-rungen dargestellt. Auf einer Metallplatte können wir ein Erdbeben mit der Stärke 6 auf der Richterskala nachempfinden, so stark war das Beben im Sommer 2000, welches einige der Geysire nach Jahrzehnten erst wieder ausbrechen liess.
Gegen Abend, als es im Gruppenzelt immer kühler wird, wärmen sich einige mit dem schwarzen Tod aus der grünen Flasche auf, andere versuchen es mit Fresbee spielen. Hans entwi-ckelt dabei eine neue Wurftechnik doch schiesst er damit meist am Ziel vorbei. Irgendwann zu später oder sehr später Stunde, wenn es immer noch nicht ganz dunkel ist, schlüpfen die einen wegen der Kälte, andere wegen Müdigkeit in die Schlafsäcke.
Tag 4 Mittwoch, 30. Juli 2003 Franz
Um 07.00 Uhr werden wir von Jons Wecker aus den Zelten geklingelt. Mit dem falschen Bein aufstehen ist aber heute kein Problem, lassen wir uns doch den ganzen Tag per Bus durchs Hochland fahren. Unser erstes Ziel ist der Gullfoss Wasserfall. Die Wassermassen stürzen sich zuerst ca. 20m und dann nochmals 50m in die Tiefe. Der Gullfoss ist ein weiteres Zeichen der unbändigen Kraft Islands.
Dann gehts aufs Glatteis. Der Langjökull Gletscher sieht unwirklich aus, ist doch die Oberfläche wie mit schwarzem Sand bestreut. Das Laufen auf dem Gletscher ist nicht einfach, und so bewegen wir uns wie auf Eiern. Zum Mittagessen erreichen wir Kjöllur wo wir unter freier Natur ein herrliches, warmes Bad nehmen. Der aufkommende Hunger wird durch Wienerli, Brot, Schinken und Eier gestillt.
Dann fährts weiter über die Hochlandstrasse. Wir begegnen sehr vielen Bikern die sich durch die Steinwüste kämpfen. Haben wir da etwa das bessere Los gezogen mit unserem Mercedes Benz?
Gegen Abend wollen wir kurz vor Blöndnos ein Wasserkraftwerk besichtigen. Wir werden aber von der Empfangsdame bereits nach 5 Minuten abgewimmelt, allerdings mit der Aufforderung in den nächsten Tagen nochmals vorbeizukommen.
Dann erreichen wir das Sommerhotel unser Tagesziel. Wir gewöhnen uns an die spezielle Internatstimmung und feiern mit Bier und Mineral den 30-sten Geburtstag von Hans unserem fliegenden Holländer. Kurz vor dem Schlafengehen wird uns gratis ein weiteres Naturschauspiel geboten. Die Abendsonne beleuchtet den nahen Berg und taucht diesen in ein faszinierendes, dunkles Rot.
Tag 5 Donnerstag, 31. Juli 2003 Hans
Der Morgen fängt für mich gleich gut an: habe mich um eine halbe Stunde verschlafen und muss mich
noch richtig pressieren beim Umpacken für den Velotour von heute. Nach dem Frühstücksbüffet im
Hotel machen wir uns auf für einen Ausflug nach Glaumbær. Dies ist ein Freilicht-Volkskundemuseum,
bestehend aus 5 Häuser aus Torf gebaut, die zusammen eine Replika von einem Bauernhof aus dem
19.Jahrhundert bilden. Diese eigenartige Bauweise stammt daher, dass das Torf sich nicht eignet
für grösseren Räumen.
Dreiviertelstund später sind wir alle (samt sportlicher Veloausrüstung ;-) wieder im Bus und
setzen die Fahrt fort. Irgendwo unterwegs machen wir dann halt (nachdem der Bus die grösste
Steigung für uns erledigt hat ;-) und laden die Bikes aus. Die Spannung steigt, wenn die erste
Velos auf der Strasse stehen: haben sie die raue Fahrt von gestern heil überstanden?? Aber wir
danken's wohl der geübten Packerfahrung vom Phil, dass alles noch passt und keiner meckern
braucht. Einmal aufm Sattel gesessen, holt die Statistik die hoffnungsvollen Erwartungen ein: es
regnet. Zehn Kilometer später halten wir kurz für eine kleine Stabkirche, mitten in der
Landschaft: Grafarkirja. Das Gebäude stammt wohl aus dem 19. JH, wurde aber während längerer Zeit
im Freilichtmuseum ausgestellt, bis es an die heutige Stelle verlagert wurde.
Es geht weiter: noch 40km zu fahren, der gemütlich erfrischende Regen hat inzwischen Platz gemacht
für eine ordentliche Menge Wasser. Und wo der Wind sich auch spontan gegen uns entschieden hat, da
fühlt sich der Holländer so richtig in seinem Element. Da hat es aber gleich auch zwei-drei
Steigungen von feinster Sorte, damit das ganze doch noch eine Herausforderung wird.
Ursprünglich sah der Plan vor, kurz vor der Endstation zu halten fürs Schwimmbad. Aber dieser hat
erst ab 16h offen, und wir fahren gleich nach Bjarnargil, wo wir Zugast sind bei Sigurbjörg &
Trausti. Es folgt ein sehr herzliches Wilkommen.
Beim Schwimmbad kommt der Ball der Phil unterwegs adoptiert hat, grad richtig. Wir sind, angeblich
aus technischen Gründen erst ab 17h dort wilkommen. Und anscheinend haben die 50km ihre Wirkung
verfehlt, weil der Enthusiasmus beim "Völk" spielen ist ungebremst. Das Spiel wird nachher im Bad
fortgesetzt, wo wir das ganze Publikum terrorisieren mit ein wildes Durchenand von Ballspielen. Um
18h bzw um 19h fahren wir zurück und freuen uns sehr über die geniale Blumenkohlsuppe und
Fischauflauf von Sigurbjörg. Mit vollen Bäuchlein und gutem Gemut gehen wir den Abend ein, wo uns
Harry Potter für kurze Zeit fesselt in eine märchenhafte Traumwelt ;-)
Tag 6 Freitag, 1. August 2003 Robert
Ruhetag (und Sandra nahm dies auch wörtlich; gezwungener Massen)
Für heute wurde ein gemütlicher Tag geplant. Aber an Alternativen fehlte es nicht. Wir hatten die Möglichkeit ein Heringsmuseum in Siglufjördur zu besuchen, einen ersten Pass mit dem Bike zu erklimmen oder mit Trausti eine Wanderung zu unternehmen.
Nachdem wir uns am Morgenbuffet bedient hatten, bereiteten wir uns auf die 25km lange Bike-Tour nach Siglufjördur vor. Auch heute war es schwierig das richtige Outfit auszuwählen. Obwohl sich das Wetter gebessert hatte, blies ein kräftig / kühler Wind. Vor dem Start bemerkte Andreas, dass sein Hinterrad nur noch wenig Luft hatte. Gezwungener Massen musste er für seinen Schlauchlos-Reifen kurzfristig einen Schlauch einsetzen, was ihn gar nicht erfreute. Doch um 09.15h waren alle bereit und wir machten uns auf den Weg. Zwischen Start- und Zielort waren es nur wenige Höhenmeter, doch dazwischen lagen doch mehrere Steigungen, wie wir zu spüren bekamen. Schon nach kurzer Fahrt war unser fliegende Holländer (Hans) kaum mehr zu sehen und als wir unseren ersten Stopp einlegten, war er irgendwo hinter den nächsten Hügeln. Zwanzig Minuten später haben wir Hans wieder eingeholt, der Sehnsüchtig auf uns gewartet hat. Auch das Wetter meinte es nicht unbedingt gut mit uns. Der Wind wehte immer stärker und nass/kalter Nebel zog auf. Nachdem wir einen Tunnel durchquert hatten, lächelte uns wieder die Sonne entgegen.
Kurz vor zwölf Uhr sind wir in Siglufjördour angekommen. Zunächst wärmten wir uns in einem kleinen Lokal auf und genehmigten uns einen Kaffee bzw. Tee und feines Gebäck. Danach besuchten wir das Heringmuseum. Zuerst wurde uns eine Dia-Show vorgeführt, denn noch hatte der Dia-Projektor seinen Geist nicht ganz aufgegeben. Philipp übersetzte uns freundlicherweise den englischen Kommentar ins Deutsche. Nachdem wir auch noch einen Video vorgeführt bekamen, konnten wir unsere Eindrücke bei einem Rundgang im Museum vertiefen. Kaum zu glauben, dass bis zu 50 Personen auf so engem Raum lebten. Da die Welt bekanntlich klein ist, habe ich während der Besichtigung noch einen Arbeitskollegen getroffen, der seine Ferien ebenfalls in Island verbrachte. Zum Schluss erhielten wir Heringshäppchen, die verschiedentlich hergerichtet waren. Und um den Geschmack runter zu spülen, gab es noch einen typisch isländischen Schnaps.
Um 13.00h trennte sich unsere Gruppe. Die einen blieben noch eine Stunde im Dorf und fuhren anschliessend mit dem Car zurück zur Unterkunft. Die anderen nahmen den Rückweg mit dem Bike sofort auf. Dabei ging es über einen kleinen Pass. Zu fünft schossen wir auf ungeteerter Strasse dem Gipfel entgegen. Trotzdem überholte uns eine Gruppe von Reitern, welche aber bald eine Pause einlegten. Auf halbem Weg wurden wir auch schon wieder vom Nebel umhüllt. Nach ca. 1h15min haben wir die Passhöhe auf 640m erreicht. Kühler Wind blies uns in die Gesichter und der Nebel verwehrte uns die Aussicht zum Meer. Kurz vor der Abfahrt kam auch die Reiter-Truppe auf dem Gipfel an. Die Fahrt ins Tal war einfach Klasse. Auf der Schotterstrasse sausten wir den Berg hinunter und schon bald löste sich auch der Nebel auf. Einzig der Wind wehte unaufhörlich. So war es auch dieser, der uns kurz vor der Unterkunft fast aus dem Sattel riss.
Wir erreichten das Farmhaus um ca. 15.10h. Die Wandergruppe war noch nicht aufgebrochen. So entschied ich, mich dieser Gruppe ebenfalls anzuschliessen. Zu fünft machten wir uns dann zu Fuss auf den Weg zum Gipfel. Ich staunte nicht schlecht über Traustis Tempo. Obwohl er sich den Oberschenkel vor 3 Monaten gebrochen hatte und stolze 60 Jahre ist, stürmte er den Hang hoch. Ich war immer wieder froh, wenn dieser jung gebliebene Mann eine kurze Pause einlegte um uns etwas zu erzählen. So erfuhren wir unter anderem, dass letzten Winter kein Schnee gefallen ist und wegen Frost im März verhältnismässig wenig fruchtige Beeren zu finden waren. In früheren Jahren war es möglich bis zu 60kg Beeren in vier Stunden zu pflücken. Zwischendurch sammelte Trausti isländisches Moos, welches uns Sibba am Abend in einer Suppe zubereitete. Nach 1h 30min erreichten wir die Höhe von ca. 450m. Leider war es uns auch hier nicht möglich die Aussicht zu geniessen, da wieder einmal der Nebel aufgezogen war. Nach kurzem Aufenthalt auf dem Gipfel hüpften wir auch gleich wieder den Hang hinunter. Schon nach 30min sind wir wieder beim Farmhaus angekommen.
Sibba erklärte sich freundlicherweise bereit nochmals unsere Kleider zu waschen. Danach zeigte uns das Ehepaar, wie sie die Lammhüften zubereiteten. In Folie eingepackt legten sie unser Nachtessen in ein Erdloch, welches mit Kohle angeheizt wurde. Das Loch wurde dann zugedeckt und das Fleisch blieb nun für zwei Stunden darin. Zeit also für einen kurzen Besuch im nahen Schwimmbad, für welches sich dann auch fast alle wieder begeistern konnten. Um 20.00h liessen wir uns das Nachtessen schmecken. Und auch das isländische Moos hatte seinen speziellen Reiz.
Dann war es auch schon bald 22.00h und der Ruhetag fast zu Ende. Fast, aber noch nicht ganz. Am Nachmittag haben wir in Siglufjördur erfahren, dass am Abend noch ein grosses Fest steigen sollte. Einige von uns liessen es sich nicht nehmen an diesem Fest teil zu nehmen und so stiegen wir um 22.10h nochmals in den Car und machten uns auf den Weg nach Siglufjördur. Wir genehmigten uns nochmals ein, zwei Bier und beobachteten die Isländer. Leider wurde der Festplatz nie richtig voll und es kam nie richtig Stimmung auf. Trotzdem konnten wir uns gut vorstellen wie es an anderen Orten zu- und her geht. Um 00.30h verliessen wir das Fest und bald konnten wir uns ins Bett legen.
Was für ein Ruhetag!!
Tag 7 Samstag, 2. August 2003 Peter
Das Aufstehen fällt ein paar von uns schwer, waren wir doch gestern intensiv im Ausgang. Nach einem ausgiebigen Morgenessen gibts eine herzliche Verabschiedung von Sibba und Trausti. Bei schönstem Wetter schwingen wir uns auf unsere Bikes um die Königsetappe zu starten. Auf der Schotterstrassen gehts los. Zum Glück ist es trocken und es kommt uns kein Lastwagen entgegen der uns voll spritzen könnte wie vor zwei Tagen. Genüsslich fahren wir dem Tal entlang vorbei an einem Stausee bis zum Anstieg des Passes. Hier stärken wir uns nochmals bevor der Aufstieg in Angriff genommen wird. Oben angekommen schlägt das Wetter um in leichten Nebel und wir ziehen uns wärmere Kleider an. Die Abfahrt erweist sich als sehr schöne, fahren wir doch vorbei an kleinen Wasserfällen, weidenden Schafen und Kühen. In Olafsjördur stoppen wir und entscheiden die Bikes nicht ins Begleitfahrzeug zu verstauen um durch den Tunnel zu fahren, sondern die alte Strasse zu benützen. Bei Nebel und Rieselregen beginnen wir den Aufstieg, leider sehen wir fast nichts von der schönen Natur nur ab und zu hören wir das Meer rauschen. Nach ca. 200 Höhenmetern werden wir mit der zweiten tollen Abfahrt belohnt. In Darvil, unserem heutigen Ziel, angekommen schlagen wir unser Zeltlager auf. Im schönsten Schwimmbad von Island (ausgenommen der blauen Lagune) wärmen wir uns im heissen Pot gleich neben dem Campingplatz auf. Das Abendessen, von unseren Spitzenköchen zubereitet, nehmen wir im Freien ein. Am späteren Abend ziehen wir uns ins Küchenzelt zurück da es zu kalt wird um draussen zu sitzen. Jon unser Chauffeur bringt uns eine Gasheizung ins Zelt, nun lässt es sich gemütlich Kaffee und Tee trinken. Aufgewärmt vom heissen Küchenzelt (war wie in einer Sauna) kriechen wir um Mitternacht in unsere Schlaftüten und warten gespannt den morgigen Tag ab.
Tag 8 Sonntag, 3. August 2003 Lilo
Von Dalvik nach Akureyri (52 km) fahren wir heute am Eyjafjördur, einem der schönsten Fjorde Islands, entlang. Auf den ersten Kilometern sehen wir leider nicht viel von diesem Fjord. Sicht: nach rechts 200 m, nach oben bis an die tiefliegende Wolken-/Nebeldecke und nach links immerhin auf die andere Seite des Fjordes. Doch das Wetter meint es gut mit uns. Je näher wir Akureyri kommen desto schöner wird es.
Die letzen Kilometer nach Akureyri fahren wir auf Naturstrassen entland der Küste des Fjords. Hans mit seinem Hollandrad ist weit voraus, nimmt den direkten Weg (Ringstrasse) und wartet am Ortseingang auf uns. Im Sommerhotel angekommen beziehen wir unsere Zimmer und besuchen danach das schöne Bad der Stadt. Bei windig-schönem Sonnenschein entdecken wir dann individuell Akureyri, die mit Abstand grösste Stadt des Landes (ca. 16'000 Einwohner) ausserhalb des Hauptstadtgebietes. Am Montag ist ein Feiertag in Island. Sind die Strassen von Akureyri deshalb so bevölkert mit Fussgängern oder ist dies an einem Sonntag, im Sommer oder bei schönem Wetter immer der Fall?
Nächster Treffpunkt ist das Restaurant Fidlarinn. Nach dem guten Abendessen bestaunen wir von der Terrasse des Restaurants aus das Feuerwerk. Wer noch nicht ins Hotel zurück will, mischt sich unters Volk und geniesst das Nachtleben.
Tag 9 Montag, 4. August 2003 Robert
07:00 Heute morgen nach einer, trotz Midsummer Fest in Akureyri, ruhigen und erholsamen Nacht im Edda Hotel, schiebe ich den Vorhang vor dem Fenster mit einer Mischung aus Furcht und Erwartung zur Seite. Wooah! Die Sonne scheint vor einem stahlblauen und Himmel lacht uns an. Das war nicht so selbstverständlich! Hier muss ich etwas ausholen.
Nachdem das Wetter während den ersten Tagen unserer Reise alles andere als prächtig war, haben die Frauen unserer Gruppe sich entschlossen etwas dagegen zu unternehmen. Vor ein Paar Tagen erfuhr man aus einer Saga von einem alten isländischen Brauch, wonach Wollmütze kaufen stimmt Wettergötter um. Gestern nachmittag schritten also die Frauen zu Taten und stürmten die Läden von Akureyri auf der Suche nach alles was nach einer Mütze aussieht. Um nichts dem Zufall zu überlassen, tätigt Edith sogar eine dreifache Opfergabe. Ob es nicht zuviel des Gutem war? Auf jeden Fall haben wir uns gestern abend erwartungsvoll ins Bett gelegt, und heute morgen kann man sagen, dass das Resultat sich sehen lässt. Offenbar hat dieser alte Glaube etwas für sich! (Tip für zukünftige Island- Besucher und Besucherinnen.)
07:30 Bei der Schlacht am Frühstücksbüffet kann man spätestens jetzt feststellen, dass das Hotel voll besetzt war. Persönlich finde ich das Frühstück vor dem Gemeinschaftszelt auf einem Campingplatz, wenn auch nicht so üppig wie in dem Hotel, doch etwas gemütlicher.
09:00 Heute verlässt uns unser erster Chauffeur. Er muss wieder arbeiten gehen (sic!). Auf eine protokollarische Busschlüsselübergabe Zeremonie, folgt nun der schmerzhafte Abschied von Jón und seiner Familie die uns die ganze Woche begleitet und unterhalten hat.
09:10 Unser erstes Ziel heute ist der Godafoss Wasserfall, nicht weit von Akureyri entfernt. Die Fahrt dorthin fängt wie schon erwähnt bei Bilderbuch Wetter an.
10:00 Wir sind bei Godafoss angekommen. Leider sind wir nicht die Ersten und schon zahlreiche Touristen tummeln sich auf beiden Seiten des göttlichen Wasserfalls.
Stefan, der seine Hausaufgabe auch diesmal gemacht hat, erzählt über die Entstehung dieses Wasserfalls. Ich zitiere:
Die Geschichte erzählt, dass Porgeir, Häuptling des Ljósavatn-Gebietes und Gesetzessprecher des Altings, im Jahr 1000 mit der schweren Aufgabe beauftragt wurde, zu entscheiden, od die Isländer zum Christentum übertreten sollten. Nachdem seine Entscheidung angenommen wurde soll er seine heidnischen Götterbilder in den Wasserfall geworfen haben. Godafoss (Wasserfall der Götter) erinnert an dieses wichtige Ereignis.
10:30 Von nun an geht es weiter mit dem Bike, zuerst auf einen 4 Km langen Aufstieg auf einer Asphaltstrasse zu einer Kuppe die von einer wunderschönen Abfahrt ins nächste Tal belohnt wird. Jetzt fahren wir auf eine flache Strasse durch ein breites Tal, gespickt von kleinen Wasserflächen, Seen und Tümpeln wo sich zahlreiche Enten ausruhen.
Bald erreicht man ein riesiges Lavafeld das sich auf mehreren Km_ erstreckt. Nach ein Paar Km auf einer schnurgeraden Strasse mit leichtem Gegenwind machen wir eine kleine Keckspause. Stefan nützt die Gelegenheit uns einige Exemplare des Birkenpilzes zu zeigen, die wie zu erwarten in der Nähe von Birken zahlreich zu finden sind. Nur zu dumm, dass ich hier kein Foto davon zeigen kann, aber hier gibt es eine!
Nach ungefähr 20 &Mac226;netto flache Km. erreicht man gegen 13:30 Uhr das schmucke Husárick, unser nächster Etappenort.
14:00 Ein kleiner Lunch und dann ab ins Bad, das hottur pottur, oder ganz einfach zum Shopping in den Souvenirs- und Sportladen des kleines Ortes.
18:00 Heute abend wird besonders gediegen gegessen. Nicht, dass wir sonst schlecht gegessen hätten! Aber wir treffen uns in einem Restaurant wo wir eine leckere Platte mit Schrimps, Bonsai-Hummer und Lachs auf Reis und Salat geniessen dürfen, und das alles für IKR 2300 (ca. CHF 45.-).
19:30 Es ist Zeit sich für die Whale watching Schiffahrt vorzubereiten. Also zuerst vor den zwei Toiletten des Restaurants schlange stehen und dann alles anlegen was man dabei hat. Man kann sich zwar nicht mehr bewegen aber Hauptsache ist, es gibt warm!
20:15 Abfahrt mit dem Kutter mit Ziel der Fjord vor Husávik. Nach einer halben Stunde ohne nennenswerte Ereignisse, entdeckt man die ersten zwei Weissschwanz Delphine, Mutter und Kalb, kurz vor uns schwimmend. Der Guide sagt uns, dass wir Glück haben weil es die ersten zwei Delphine seien die er seit zwei Wochen sieht. Ob er es bei jeder Fahrt sagt weiss man nicht!
Aber Wale, nicht Delphine, sind unser Ziel, also fährt man weiter in Richtung der andere Fjordseite wo sie sich eher befinden sollen.
Die Stimmung auf dem ruhigen See in der Abendsonne ist einfach gewaltig. Dutzende von Papagaientaucher tauchen aus der Dunkelheit auf und kreuzen unsere Route, knapp über der Wasseroberfläche zielstrebig fliegend. Da und dort kann man das emsige Treiben der Möwen beobachten die sich mit Plankton voll essen, da wo es in grossen Mengen vorhanden ist. Das ist auch ein guter Ort um nach planktonfressenden Walen ausschau zu halten. Und tatsächlich, kurze Zeit später zeigt sich schon der erste Zwergwal.
Das Schiff fährt nun mit hektischen Bewegungen, mal schnell mal langsam oder steht einfach still, beim Versuch dem Wal zu folgen. Jeder versucht &Mac226;den Schnappschuss zu machen, meistens aber mit ernüchterndem Resultat!
Man kann einen wunderschönen Sonnenuntergang geniessen und mittlerweile ist eine fortgeschrittene Dämmerung eingetreten.
Bald wird es Zeit zurückzufahren als plötzlich ein prächtiger Zwergwal kurz vor unsere Nase aus der Wasser auftaucht. Ein Paar von uns gelingt es dabei ein recht passables Foto davon zu schiessen.
Jetzt kann man die Rückfahrt nach Husávik antreten. Als die Meisten ihre Fotokameras schon versorgt haben, zeigt sich noch ein schöner Schweinswal kurz vor dem Schiffsbug. Schade, für ein Foto hätte diesmal bestimmt geklappt!
Das war ein gelungener Ausflug, keiner wurde seekrank und nur wenige waren total durchgefroren.
24:00 Nach einem letzten Schlummertrunk verkriecht sich jeder nach einem ereignisreichen Tag in den warmen Schlafsack.
Tag 10 Dienstag, 5. August 2003 Sandra
Am heutigen Ruhetag gestaltet jedermann/frau den Tag selbst.
Andreas, Röbi und Peter erklimmen den 416 hohen Berg. Vreni, Lilo und Edith suchen einen Tümpel zum Baden. Die 3 auf 8 Meter grosse Badewanne lädt sie aber nicht gerade dazu ein. Sie bevorzugen das Seeli mit 35 Grad warmem Wasser.
Hans, Dominique, Robert und Sybille fahren mit dem Bus zu den Papageien-tauchern. An der schönen Küste gehts dann wieder mit dem Velo zurück.
Um halb 2 Uhr treffen wir uns alle wieder am Zeltplatz zum Lunch.
Am Nachmittag gehts noch ins Whale Museum. Dort gibt es riesige Skelette und interessante Funde zu Betrachten. Wir lesen auch sehr viel über die Geschichte des Walfangs und des späteren Walfangverbots.
Am Abend verwöhnt uns Phil mit Spaghetti und einer selbstgemachten Sauce.
Da es zum Schlafen gehen noch viel zu früh ist, fahren wir alle noch zum Seeli zum Bädälä. Jeder getraut sich dann doch nicht rein, da es ein paar (Abwasser-) Rohre hat, die in den See münden.
Damit Sandra nicht friert, setzt sie sich die Isländerkappe auf. Hans hingegen läuft mehr nackt als angekleidet um den ganzen See rum, um ein paar aussergewöhnliche Photos zu schiessen.
Zum Abschluss dann noch ein Bierchen und wir geniessen den Abend auf dem herrlichen Zeltplatz in Husavik.
Tag 11 Mittwoch, 6. August 2003 Sybille
Heute gehts weiter Richtung Myvatn. Nach dem Frühstück packen wir unsere sieben Sachen. Das geht in der Zwischenzeit schon ziemlich flott, da wir dies seit Beginn der Ferien täglich üben konnten. Noch schnell das Zelt abbauen und die Velos im Anhänger verstauen (Phil macht das grossartig). Nachdem auch unser Kochzelt verstaut ist fahren wir mit dem Bus der Küste entlang bis zum ersten Halt in Tjörnestal. Dort bekommen wir eine Stunde Auslauf und wandern einer ca. 50 Meter hohen Klippe entlang, erst bei genauerem hinsehen entdeckt man, dass die ,,grauen Steine in den Felsnischen junge Eisturmvögel (Fulmarus glacialis) sind. Ein bisschen verhutzelt sehen sie schon aus mit ihrem flaumigen Gefieder, geduldig wartend bis es etwas zu futtern gibt. Aber die Clowns an diesem Ort sind unumstritten die Papageientaucher (Fratercula arctica). Leider sind nur noch wenige mit ihren Jungtieren beschäftigt, so dass die meisten sich draussen auf dem Meer befinden. Die Nester der Vögel befinden sich in der Erdschicht am Rand der Klippe, das ganze erinnert an einen Emmentaler und beim drüberlaufen hat man wirklich das Gefühl alles sei hohl. Einige Nester sind immer noch besetz und es herrscht ein reges treiben. Nicht mehr lange und alle Papageientaucher werden sich um zu überwintern auf den Atlantik zurückziehen.
Leider ziehen auch wir weiter, man könnte diesem Treiben stundenlang zusehen. Auf einer holprigen Strasse geht es weiter Richtung Asbyrgi. Nach einer wunderschönen Fahrt durch den Canyon mit kleinen windgeplagten Birken erreichen wir den hufförmigen ausgetrockneten Wasserfall der, der Sage nach, der Abdruck des achthufigen Pferdes von Odin ist. Auch hier hat es sehr viele nistende Möwen die mit ihren Rufen für eine Hitchcok ähnliche Stimmung sorgen.
Nach diesem Rundgang geht es weiter auf noch ,rumpliger Strasse Richtung Dettifoss. Wie vielen im Bus fallen mir fasst die Augen zu, aber die Landschaft ist zu schön um zu schlafen und ausserdem zeigt sich oh Wunder, nun auch noch die Sonne. Die Gegend ist sehr Karg und doch von einer Vielfalt an Farben und Formen, die immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Schon bald erreichen wir den Parkplatz auf dem unsere kleiner Ausflug zum grössten Wasserfall Europas beginnt, dem Dettifoss. Der Anblick ist einfach überwältigend und die Sonne bringt den Regenbogen zum leuchten und uns zum knipsen. Nach einem ausgiebigen Mittagessen schwingen wir uns auf unsere Velos und nehmen die Offroadstrasse auf zwei Rädern in Angriff. Es macht wirklich Spass durch dieses Gelände zu fahren, leider ist das ganze ein wenig kurz und nach etwa 1.5 Stunden hat uns der Asphalt wieder. Mit einer steifen Brise von Hinten!!! brettern wir Richtung Myvatn. Nach einem kurzen nicht eingeplanten Stopp, gäll Stephan, bei Bjarnaflagsstoeth, oder so, nehmen wir noch die letzte Erhebung in Angriff und fahren vorbei an der Kopie der Blauen Lagune nach Reykjahlid, unserem Uebernachtungsort für die nächsten drei Nächte. Nach einem obligaten Besuch der Sundlauge und einer kulinarischen Verführung des Magens haben wir den Tag wirklich ausgefüllt. Die Blockhütte ist wirklich gemütlich und warm, und wir werden die nächsten Tage problemlos hier verbringen.
Tag 12 Donnerstag, 7. August 2003 Thomas
Unsere Ferien neigen sich langsam dem Ende entgegen. Wir sind an unserer letzten Station angekommen, bevor es zurück nach Reykjavik geht. Von Endstimmung kann aber keine Rede sein, wie sollte auch, denn heute führt uns unser Trip rund um den Myvatn-See. Dieser ist ca. 38 km2 gross. Nach dem bekannten, ausführlichen Morgenessen nehmen wir unsere Bikes und fahren gemeinsam los. Das Wetter ist gut und so kommen wir flott voran. Nachdem wir gut die Hälfte um den See geradelt sind, kommen wir in Skútustadirv an. Dort trennen sich unsere Wege. Das heisst, die zweite und interessantere Seite des Sees konnte jeder auf eigene Faust erkunden.
Sehenswertes hat es da Vieles. Zum Beispiel:
- Die Halbinsel Dordurvogar oder Ralfastrénd ist eine Gegend mit vielen kleinen Buchten und Seen.
- Das Lavafeld Dimmuborgir mit seinen bizarren Säulen und Formationen.
- Der Explosionskrater Hverfjall, welcher sich 150 Meter aus der Landschaft erhebt und 452 Meter über Meer liegt, konnte man zu Fuss erklimmen und um den Kraterrand wandern. Er entstand vor vermutlich 2500 Jahren durch eine einzige, gewaltige Gasexplosion.
- Die heisse Grotte Grjótagjá. Hier kommt heisses Wasser, wie an so vielen Orten auf Island, an die Oberfläche. Speziell daran ist, dass sich das Wasser in einer Grotte befindet. Bis vor einigen Jahren war das Wasser noch ca. 38 Grad Celsius warm und man konnte darin baden. Nach der Zunahme der vulkanischen und Erdbebentätigkeit ab 1970 stieg die Wassertemperatur bis auf 70 Grad. Zur Zeit beträgt sie jedoch ca. 52 Grad.
- Oder die Milchbar auf dem Bauernhof Vogar, wo man Milch und Milchprodukte nicht nur direkt auf einem Bauernhof beziehen, sondern auch konsumieren kann. Dafür wurde eigens ein kleine Bar eingerichtet. Von dieser aus hat man direkt Einblick in den Kuhstall.
Während wir so um den See radelten und die Schönheiten dieser Gegend bewunderten hatte Hans, unser Chauffeur, einen &Mac226;Geheimauftrag. Uns war das Bier ausgegangen und wie man ja weiss, ist es nicht sehr einfach in Island zu besagtem Gerstensaft zu kommen. So musste Hans ins ca. 50 km entfernt gelegene Husavik fahren, um welches zu besorgen. Der Haken war nur, dass sein Chef sich vermutlich in Husavik aufhielt, um dort wie wir zuvor Whale Watching zu betreiben und nicht der absolute Alkoholfan ist. Die Mission verlief aber erfolgreich und so gabs zum Essen das geliebte Nass.
Gegen Abend trudelten dann die einzelnen Gruppen bei unseren Cabins ein. Es war ein langer Tag. Nichts desto trotz packten die meisten sofort das Badezeug und machten sich auf den Weg zur Sundlaug, um wieder im Hot-Pot ein warmes Bad zu nehmen.
Nach der erneuten Rückkehr erwartete uns einmal mehr ein feines Nachtessen. Heute gab es Fleisch von Grillmeister Franz. Dazu Pilze, welche Stefan gesucht hatte (es leben alle noch). Nach dem Essen kam dann noch ein bisschen Hektik auf. Plötzlich begann jemand mit dem Einpacken und dem Verladen der Velos für die Rückreise. Was eigentlich erst am nächsten Tag vorgesehen war, entwickelte sich zu einem ansteckenden Virus. Jedenfalls waren noch vor dem Kaffee alle Velos im Anhänger verstaut und reisefertig. Danach gabs noch Kaffee und wir sassen beisammen, bis um ca. 23.00 Uhr langsam Ruhe in unsere beiden Cabins einkehrte. Erneut ging ein einmaliger Tag zu Ende.
Tag 13 Freitag, 8. August 2003 Vreni
Krafla, Lavafeld, Reitausflug und isländisches Nachtleben
Nach einem wie immer vielseitigen und ergiebigen Frühstück besteigen wir um 09.00 Uhr unseren Bus und fahren zum Krafla (848m).
Auf der Hinfahrt erkennen wir etwas Abseits neben der Ringstraße in regelmäßigen Abständen grosse Steinhaufen, die den alten Hochlandtreck zu den Ostfjorden markieren. Die abgehende Strasse führt geradewegs zum Krafla, vorbei am Kraftwerk und hindurch durch das "Tor zur Hölle", dem Leitungssystem des Kraftwerk unter dem die Straße hindurchführt. Wir begeben uns in eine der aktivsten Zonen Islands, hier rumort es immer wieder.
Zu Fuss machen wir uns auf den Weg hinauf Richtung Krafla. In einigen Kehren führt der Weg hinauf zum Hang des Vulkans. Vorbei am Seitenkrater an dessen Grund sich ein kleiner hellblauer See befindet. Endlich ein Kratersee für Edith.
Oben angekommen, entschädigt uns die Aussicht für den zum Teil sehr steilen Aufstieg, wenn nur der heftige Wind nicht wäre. Der ebenso steile Abstieg fährt einigen von uns etwas in die Knie, aber wir kommen alle gesund und heil unten an.
Mit dem Bus fahren wir weiter zum jüngsten Lavafeld. Hier bekommt wir zu spüren wie aktiv dieses Geothermalgebiet ist. Wir durchwandern auf einem angelegten Pfad ein Gebiet mit brodelnden Schlammtöpfen, Schwefelquellen, dampfenden Erdspalten, noch nicht völlig erkaltete Erdoberflächen und Lavagestein in allen erdenklichen Formen und Farben. Die neue Lava hebt sich durch ihre noch schwarze Farbe deutlich von der alten Lava ab. All das lässt schon ein etwas mulmiges Gefühl aufkommen. Vor allem wenn man bedenkt, dass das Lavafeld vom Ausbruch 1984 stammt und sich die flüssige Lava zum Teil in nur 3km Tiefe befindet.
Wir fahren zurück zu unserer Unterkunft. Nach dem Lunch heisst es für alle Räder postern und flugfertig machen. Nun wird mir zum ersten Mal wirklich bewusst, dass diese Ferien zu Ende gehen. Schade!, aber auch die schönen Dinge sind einmal vorbei.
Nachdem die verpackten Räder alle im Anhänger verstaut sind, beginnt es leicht zu Regnen. Wir machen uns nichts desto trotz mit dem Bus auf den Weg zu unserem nächsten Abenteuer. Reiten auf Islandpferden.
Da wir, was das Reiten angeht, fast alle Anfänger sind, teilen wir uns in zwei Gruppen auf. Wir, Andreas, Franz, Röbi, Robert, Sandra, Stefan, Sybille und ich starten zu unserem einstündigen Reitausflug ausgerüstet mit Reithelm und Moskitonetz. Der leichte Nieselregen kann unsere gute Laune nicht trüben und wir geniessen die einmalige Landschaft abseits der Strassen. Isländerpferde verfügen über fünf verschiedene Gangarten: Schritt, Trab, Galopp, Tölt und Rennpass.
Die zweite Gruppe mit Dominique, Edith, Hans, Lilo, Peter, Phil, Thomas und Yvonne begeben sich anschliessen auf die gleiche Tour. Phil reitet stolz auf 'seiner Blondine' (die sich am Ende jedoch als 'Blonder' entpuppt) davon.
Auch heute darf zum Schluss das gemütliche Baden im Hot-Pot nicht fehlen. In der Zwischenzeit richten Stefan und Phil das Abendessen. Chili con Carne mit Reis und einem Bier bzw. einem Glas Weisswein für die 'Nichtbiertrinkerinnen' und als Krönung zum Dessert, Vanille-Glace mit heissen Beeren.
Da uns in diesen Ferien keine Bike-Etappe mehr bevorsteht (die Bikes sind ja bereits flugfertig verpackt), gehen noch einige von uns in die nahegelegene Bar um 'unseren Abschlussabend' gemütlich ausklingen zu lassen. Anschliessend mischen wir uns in der Salsabar noch unter die einheimische Bevölkerung und geniessen das isländische Nachtleben bis ....
00.00 Uhr: Dieser Tag ist zu Ende und somit auch mein Bericht. Morgen ist Yvonne mit Schreiben an der Reihe. Leider war sie nicht in der Salsabar ..., daher werden alle unbeteiligten nie erfahren, was zwischen 00.00 Uhr und dem Morgenessen geschah!!
Tag 14 Samstag, 9. August 2003 Yvonne
Unser letzter Tag in Island, und unser längster, steht uns bevor. Für die einen begann er schon um Mitternacht, sie festeten gleich durch. Was sie alles erlebten in dieser Nacht wurde nicht verraten, das vielsagende Lachen unter den Eingeweihten war nichts-sagend. Nur die folgenden Stichworte konnten entlockt werden: zwei Sänger, Gitarre, phantastische Musik, Girls von der Milk bar, unter Einheimische gemischt. Den Rest werden wir Schläfer wohl nie erfahren.
Am Morgen waren alle wieder da zum letzten Morgenbuffet mit Skyr... und um 06.00 Uhr war alles gepackt, die Hüsli gwüschet (nicht gfäget), der Anhänger mit den Bikes angekoppelt und wir sassen im Car bereit für die Abfahrt Richtung Reykjavík mit Hans.
Die einen waren ziemlich schläfrig, die anderen liessen ihre letzten Blicke über die eindrückliche isländische Landschaft schweifen. Ab und zu kam einem eine Ecke wieder bekannt vor. Eine Kreuzung, die wir mal mit dem Bike gefahren sind, ein markanter Berg, usw. Das Wetter präsentierte sich wie gehabt in den letzten beiden Wochen: mal windig, dann regnete es, etwas bewölkt und dazwischen wieder sonnig. In Blönduós machten wir unseren ersten Kaffi-Halt. Die Weiterfahrt führte uns auf der Ringstrasse durch die weiter westlich liegenden Gebiete und Orte wie Hvammstang, Borarnes, vorbei an diversen Fjorden. Nach Akranes fuhr uns Hans durch ein neueres Tunnel unter dem Hvlaljjördur durch, damit wir nicht den weiten Bogen um den Fjord fahren mussten. Dann folgte schon bald einmal Mosfellsbaer, wo wir unsere Biketour mal gestartet hatten.
Reykjavík kommt immer näher, der Verkehr wird immer dichter. Unten am Meer werden wir ausgeladen, damit wir uns nochmals für ein paar Stunden in der Stadt umsehen und die letzten Einkäufe tätigen konnten. Eine sehr nasse Angelegenheit, es regnete wie wirs noch nicht erlebt haben in Island. Anstatt einer Stadtbesichtigung flüchtete man sich von einem Kaffi ins andere oder rettete sich ins Rathaus. Dort konnte man ganz Island auf einer grossen Reliefkarte überblicken. Zudem fand an diesem Tag auch die Gay Pride statt, mit einer anschliessenden Open air Stage Show. Wegen des nassen Wetters waren wir aber nicht sehr motiviert, dieses Geschehen zu verfolgen. Ab und zu begegnete einem auf der Strasse leicht bekleidete Boys und Girls oder ein Transvestit, der auf hohen Absätzen daher balancierte.
Um halb sechs mussten wie wieder beim Bus sein, der uns in die dampfende Blue Lagoon fuhr. Ein letztes mal Baden in geothermischem Wasser. Ein letztes Mal essen in Island. Ein letztes Mal Jon treffen. Er kam extra mit seiner Familie her, um sich definitiv zu verabschieden.
Dann fuhren wir zum Flughafen, wo wir uns auch von Hans verabschieden mussten. Er freute sich über das Schwizer-Fähnli mit allen Unterschriften und unserem Dank sowie das gesammelte Geld im Bike Adventure Tours-Käppli.
Nach dem Ausladen kümmerte sich Stefan gleich ums Check in. Die Damen am Desk wollten uns nicht als Gruppe einchecken lassen und so wir mussten alle einzeln in die Reihe stehen. Oh je. Wie geht das jetzt mit dem Gewicht? Zum persönlichen Gepäck und den Bikes kamen noch die zwei Zeltsäcke und drei Kisten mit Versorgungmaterial.... Als die Lady am Check-in unsere Gepäckstücke sah, wollte sie uns doch nicht alle einzeln abfertigen und verlangte alle Tickets zusammen. Unsere Gepäck rollte eins nach dem andern weg von der Waage. Danach musste Stefan ziemlich lange wegen der Bikes verhandeln. Schlussendlich kam er aber mit allen nötigen Identifikationskleber, die auf die Bikes geklebt werden mussten. Dann transportieren wir alle Velos zur angegebenen Türe. Die Lady musste alle alleine entgegennehmen und irgendwohin weiterverfrachten. Es dauerte ziemlich lange, bis sie wieder auftauchte. Natürlich wollten wir Ihr dabei helfen, aber in einem energischen Ton sagte sie: No, no, I will take it from here! Nur ja nicht in die Nähe von dieser Türe kommen... Hauptsache alle unsere Gepäcke und Bikes kommen auf den Flug. Jetzt gings noch durch die Passkontrolle aufs Gate und um 00.30 h flogen wir ab Richtung nach Hause. Und wir waren ziemlich müde. Am besten nur Schlafen, bis das Frühstück serviert wird. Morgens um 6.15 h landeten wir dann pünktlich in Kloten.
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