Bike Adventure Tours Foto Rad- Kulturreisen Mountainbikereisen

Reiseberichte

Langsam hoch auf den Kilimandscharo

Der Sonnenaufgang entschädigt für alle Mühen - Umrundung mit dem Mountainbike.

Reisebericht der Kilimandscharo Velotour von Gregor Honsel

Wohin unsere Karawane auch kommt, wir werden mit einem fröhlichen “Jambo!” begrüsst. Frauen verlassen die Felder, Kinder rennen von den Schulhöfen. Zuweilen wird es so eng am Strassenrand wie bei einer Bergankunft der Tour de France. Bei jeder Rast finden sich Zaungäste ein, die seltsamen Weissen mit den Fahrrädern und den komi-schen Hüten zu belachen und zu bestaunen. Wir spielen Taxi für die Kinder oder lassen die grösseren von ihnen selber auf unsere Mountainbikes steigen.

240 Kilometer fahren wir rund um den Kilimandscharo, bevor wir dann aufsteigen. Begleitet von einem Landrover mit vier einheimischen Führern, unserem Gepäck, Ersatzteilen und zehn lebenden Hühnern als Wegzehrung an Bord.

Im Massai-Dorf Ol Molog erscheint der Dorfälteste und schüttelt uns allen die Hand. Bewunderung erregt unser Gruppenältester Peter, als er den Fahrradhelm lüftet und seinen grauen Haarkranz zeigt. Die Massei haben eine nach dem Alter geordnete Hierarchie. Dass unser Häuptling, die Reiseleiterin Flavia, jung und weiblich ist, scheint nicht ganz durchzudringen.

Je weiter wir nach Osten kommen, desto staubiger werden die Wege. Zuerst sind die dunklen Ränder um die Sonnen-brillen noch ein kosmetisches Problem. Später behindern Staubfahnen die Sicht. Schliesslich versinken die Räder bis über die Felgen in dem puderzuckerfeinen Strassenbelag und machen das Radeln zum Balance-Akt, der hin und wieder in einem Staub-Vollbad endet. Zweimal täglich müssen die Ketten geölt werden. Meine Tour endet mit dem ersten Platten - direkt vor dem Eingang des Hotels.

Nach einem Ruhetag fahren wir mit dem Geländewagen zum Eingang des Kilimandscharo-Nationalparks in 1800 Metern Höhe. Dichter Nebel begleitet uns auf der ersten Etappe durch den Regenwald zur Mandara-Hütte auf 2700 Meter Höhe. Von den Ästen hängen lange Flechten herunter, die nahtlos in die Nebelschwaden überzugehen schei-nen. Bei 3000 Metern Höhe reisst der Nebel auf und wir wandern durch eine Busch- und anschliessend eine Heide-landschaft.

Nach fünf Stunden Wanderung haben wir die Horombo-Hütte erreicht. Hier übernachten die Wanderer sowohl beim Auf- als auch beim Abstieg. Viele Trekker verweilen auch einen Tag zur Akklimatisierung. Deshalb ist die Hütte (eigentlich eher ein Hüttendorf) mit 200 Betten das grösste und bequemste Lager auf der Marangu-Route. An klaren Tagen sieht man 2000 Meter über sich die beiden Kilimandscharo-Gipfel Kibo und Mawenzi und 1000 Meter unter sich die Wolken.

In der Nacht frieren die Wasserleitungen zu, und eine dicke Eisschicht bildet sich an den Waschbecken – noch nicht einmal auf halben Weg zum Gipfel. Am nächsten Morgen können wir Kibo und Mawenzi zum ersten Mal seit fast zwei Wochen wolkenfrei in ihrer ganzen Pracht sehen. Bei 4000 Meter gibt der Höhenmesser auf. Langsam geraten Mensch und Maschine an ihre Grenzen. Wir steigen immer weiter, und ich entdecke den Hypochonder in mir.

Kommen die Kopfschmerzen von den Bügeln der neuen Sonnenbrille oder sind sie erste Zeichen von Höhenkrank-heit? Dagegen helfen vor allem zwei Mittel: Zeit und Wasser. “Pole, pole” – langsam, langsam, mahnen unsere Füh-rer immer wieder. Im Gänsemarsch trotten wir über den Sattel, eine flache Steinwüste zwischen Kibo und Mawenzi. Die empfohlenen vier bis fünf Liter täglich zu trinken wird immer beschwerlicher. Das Wasser haben die Träger über offeem Feuer abgekocht. Es schmeckt nach Rauch.

Die letzte Station vor dem Gipfelsturm ist die Kibo-Hütte in 4700 Metern Höhe. Um Mitternacht beginnen die an-strengendsten fünf Stunden. Wir besteigen den Kibo. Der Weg ist eine schwarze, steile Geröllhalde an der Krater-flanke. Weder Fuss noch Auge finden Halt. Über uns ist ein sensationeller Sternenhimmel, doch wir sehen nur die Hacken unseres Vordermanns im Lichtkegel der Stirnlampe. Um vier Uhr morgens reicht es mir. Ich setze mich auf einen Stein und will auf die Sonne warten. Hyazinthe, einer unserer vier Führer, bringt mich wieder auf die Beine.

Er geht vor mir her und summt dazu eine rhythmische Melodie. Mhmmm mhm mhm mhmmm -linker Fuss. Mhmmm mhm mhm mhmmm – rechter Fuss. Die anderen Führer fallen in einen Wechselgesang ein. In diesem Trott erreiche ich Gilliman’s Point, den Kraterrand des Kibo, 5685 Meter über dem Meer und wohl 4000 Meter über den Wolken. Es ist 5.45 Uhr, die Sonne ist noch nicht aufgegangen.

Die zackige Silhouette des Mawenzi ragt schwarz aus der blassrosa Wolkendecke. Gilliman’s Point: Der Gipfel vor dem Gipfel. Mit dem Erreichen des Gilliman’s Point gilt der Kili als bestiegen. In der Tat – den Anblick des Son-nenaufgangs vom Gilliman’s Point aus, nach 900 Höhenmetern in der Tretmühle, kann auch der eigentliche Gipfel nicht mehr überbieten. Wir umarmen uns und starren nach Osten. Mit der Sonne kehrt auch der sportliche Ehrgeiz zurück, und vom Gilliman’s Point zum Gipfel geht es – diemal sogar relativ leichtfüssig – noch eine Stunde am Kraterrand entlang, dem höchsten Punkt Afrikas entgegen.

Auf dem Weg dorthin entlang kommen wir dem legendären Schnee auf dem Kilimandscharo zum Greifen nahe. Was von der Ferne wie eine dünne Schneehaube aussieht, ist blaues, kompaktes, 15 bis 30 Meter dickes Eis. Die Oberflä-che wurde vom Wind zackig wie eine Raspel geschmirgelt. Direkt am Weg stehen hüfthohe, schmale Eisdornen auf der Lava. Verglichen mit dem Gilliman’s Point ist der 5895 hohe Gipfel ziemlich unspektakulär und sehr, sehr win-dig. Jeder macht schnell ein Foto und verzieht sich wieder. Bis 1961, der Unabhängigkeit Tazanias, hiess dieser Ort Kaiser-Wilhelm-Spitze, so benannt vom deutschen Erstbesteiger Hans Mayer. Jetzt heisst er Uhuru Peak – Freiheits-spitze.

Der Abstieg zur Kibo-Hütte geht schnell. Hyazinthe zeigt mir, wie man auf dem Geröll surft. Die Kraterflanke sieht aus wie eine Skipiste, wenn die Wanderer, stockbewehrt und bis zu den Hüften in einer Staubwolke, talwärts rutschen. Nach einem Frühstück in der Kibo-Hütte geht es gleich weiter nach unten zur Horombo-Hütte, um die gelungene Besteigung zu feiern. Doch der Whiskey, den ich seit zwei Wochen für diesen Tag mit mir rumgeschleppt habe, schmeckt nicht richtig. Die aufgesprungenen Lippen schmerzen bei jedem Schluck. Von meinen zwölf Mitreisenden haben acht Gilliman’s Point erreicht, sechs von ihnen den Gipfel. Am Ausgang des Nationalparks bekommen wir Urkunden ausgehändigt - goldene für den Gipfel, grüne für den Gilliman’s Point. Meine trägt die Nummer 6573/99. Ich war also der 6573. Gipfelstürmer des Jahres.

Informationen:

Die Fahrradetappen sind bis zu 55 Kilometer lang und überwinden eine Höhendifferenz von maximal tausend Me-tern am Tag. Die sandigen Abschnitte sind aber deutlich anstrengender als diese Zahlen andeuten. Die Tour ist aber von halbwegs trainierten Alltagsradlern zu schaffen. Die Wanderung ist bis zur Kibo-Hütte (4700 Meter) sehr ein-fach. Die Wege sind breit und gut befestigt, die Tagesetappen nicht länger als sechs Stunden. Die Strecke von der Kibo-Hütte bis zum Gilliman’s Point ist dagegen sehr anstrengend. Menschen mit Lungen- oder Herz-Kreislaufpro-blemen sollten nicht höher als 3000 Meter steigen.

Die beschriebene Tour wird von Bike Adventure Tours jeweils im Oktober und im November angeboten.

Kilimandscharo Reisedaten:

Beratung und Verkauf:
bike adventure tours
Sagistrasse 12
8910 Affoltern am Albis

Tel. 00 41 (0)1 - 761 37 65
Fax 00 41 (0)1 - 761 98 96
info@bike-adventure-tours.ch
www.bike-adventure-tours.ch

Fragen oder Feedback direkt an den Autor.

 zurück zur Auswahl




 Seite weiterempfehlen ...

© 1998-2012 bike adventure tours | www.bikereisen.ch | Alle Rechte vorbehalten.
bike adventure tours GmbH, Sagistrasse 12, 8910 Affoltern am Albis, T. +41 44 761 37 65, info@bikereisen.ch
Privacy | Impressum | Allgemeine Vertrags und Reisebedingungen | Anregungen und Kritik | Kontakt.